Orgel und Organistin passen zusammen

Andrea Kumpe spielt italienischen und iberischen Barock an der Jäger-Orgel in St. Mang

Füssen (ha).
Zehn Minuten vor 18 Uhr fand Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller den letzten freien Sitzplatz im Chorgestühl der Basilika St. Mang. Angekündigt war ein Orgelkonzert mit Andrea Kumpe aus Augsburg. Die mit großer Begeisterung aufgenommene Veranstaltung der reihe Geistliche Abendmusik war in das bunte Festival „vielsaitig“ eingebunden und bot mit Werken aus der Barockzeit einen Blick zurück auf Kompositionen, die in Italien und Spanien im 16. und 17. Jahrhundert entstanden sind.
Andrea Kumpe kommt! Die Jäger-Orgel schien sich auf diese erneute Begegnung regelrecht zu freuen.

Eine solche etwas kühn formulierte Behauptung zur Begrüßung der Künstlerin ist als Kompliment gedacht und wird von Andrea Kumpe auf sympathische Weise lächelnd und eher zurückhaltend kommentiert. „Es ist natürlich der Idealfall, wenn ein Instrument und ein Musiker zusammen finden. Aber es stimmt: Ich spiele gerne an der um 1750 erbauten Orgel.“
Das anspruchsvolle und von der fortgeschrittenen Kirchenmusikstudentin eine Stunde lang souverän gemeisterte Programm von Giambattista Martini über Andrea Lucchesi bis hin zu Girolamo Frescobaldi sollte die italienische und iberische Tastenmusik in ihren Facetten vorstellen - und erfüllte die reizvolle Aufgabe nicht nur technisch perfekt, sondern zum Genuss der Zuhörer auch durch einen sehr persönlichen Stil, den die Organistin an der Musikhochschule Augsburg entwickeln konnte. Schon 2002 erhielt sie hier den Förderpreis.
„Andrea Kumpe ist sehr begabt“, betont Dr. David Backus, der die Künstlerin vorstellte. Im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzte der in Schwangau lebende Organist: „Als Musikerin darf sie hoffnungsfroh in die Zukunft schauen.“ In Leipzig bei Professor Stefan Engels wird Andrea Kumpe die Möglichkeit erhalten, sich noch weiter zu bilden, so ihr Förderer. Füssen darf sich schon heute, auf ihr nächstes Konzert in St. Mang freuen. Kaum war der letzte Ton verklungen, setzte der starke Beifall ein. Die Zuhörer hatten sich in Geduld üben müssen. Es fiel nicht leicht, den Applaus bis Konzertschluss zurück zu halten - jeder Programmteil war der Anerkennung wert.
Allgäuer Zeitung, August 2006