Kosmische Harmonien

In der Musik lässt sich auch so etwas Abstraktes wie ein Weltbild entdecken. Das machte das lehrreiche Gesprächskonzert „Sphärenharmonie“ im Maximilianmuseum anschaulich. Es ging dem Klang der Planeten von der Antike bis in den Barock nach.
Bestritten wurde es vom Kern der Augsburger Alte-Musik-Szene: den virtuosen Blockflötistinnen Iris Lichtinger (auch Altgesang) und Andrea Rother, den feurig begleitenden Pianisten Peter Bader und Michael Eberth (Cembalo und Truhenorgel), von Hans Ganser (Leitung, Bassgesang und Tambourin) und seiner eingespielten Choralschola Dobrochna Zielinski, Naemi Schlichting, Andrea Kumpe und Michael Wersin, die auch als Solisten brillierten.

So war zu entdecken, wie in Antonio Draghis’ 320 Jahre alter Hochzeitskantate dem Absolutismus Tribut gezollt wurde: Selbst der Kosmos musste sich darin dem Herrscher beugen. 100 Jahre zuvor umspielte Gabrieli in seiner „Intonazione del Primo Tono“ (Orgel: Eberth) die getragenen Bassquinten mit quirligen Tonperlenketten. Da war das Weltbild noch in Ordnung, denn die Erde wurde umkreist: Oktave, Quint und Quarte waren die Intervalle des Alls. Nur 50 Jahre später maß der Augsburger Kammerorganist Hans Leo Hassler dem Fundament seiner „Toccata in F“ (Eberth) bereits eine gewichtigere, punktiert schreitende Rolle bei. Die Terz kam ins Spiel und dank Keplers Weltbild die Sonne an die zentrale Stelle. Für den gehaltvollen, bezaubernden Abend dankten die leider nur wenigen Hörer mit verdientem Dauerbeifall. (skn)
Augsburger Allgemeine, 05.12.2009